LucasArts-Adventures
Heute ist er eingetroffen: Der Sammelband This is my Labyrinth, and you are mine. Forever. Die Spiele von LucasArts – eine interdisziplinäre Erforschung des Erbes der klassischen Adventures, herausgegeben von Rudolf Thomas Inderst und Manuel Stübecke.
Eigentlich hatte ich gar keine Zeit für so etwas. Aber wie kann man denn an einem Sammelband für LucasArts-Adventures bitte schön nicht mitmachen? Kaum ein Spielehersteller war für mich so prägend, wie das LucasArts der 1990er-Jahre: Monkey Island, Day of the Tentacle, Sam & Max, Full Throttle und Grim Fandango sind feste Bestandteile meiner Spieler-Biografie. Und da der historische Rückblick gerne eher als mühsame Pflichtaufgabe, denn als Möglichkeit gesehen wird, einem Thema nochmal etwas Neues abzugewinnen, habe ich mich liebend gerne in die Bresche geworfen.
Das Ergebnis ist mein Beitrag „Ich kann den Skelettarm nicht damit benutzen.“ Über die Geschichte einer Reihe von Adventure-Spielen, entwickelt von dem Studio, das man erst Lucasfilm Games nannte, und dann LucasArts, der im Sammelband unerhörte 52 Seiten einnimmt — und damit das drei- bis vierfache der anderen Texte im Band. Die beiden Herausgeber waren so freundlich, den Artikel als Feature-Beitrag zu würdigen und mit nur wenigen Straffungen in den Band aufzunehmen. Ein bisschen frech von mir, aber man muss einem Thema auch Ehre erweisen.
Teil meines Beitrags ist auch eine Überblicksgrafik, die es glücklichweise doch als Querformat ins Buch geschafft hat: Platzierungen der Grafik-Adventures von Lucasfilm Games/ LucasArts in den Beliebtheit-Hitlisten der Happy Computer/ PowerPlay in den Jahren 1988 bis 1993; in der Grafik sind jeweils die folgenden Zeitpunkte hervorgehoben: Einstieg, Übernahme des Spitzenplatzes, Wiedereinstieg und letzte Nennung (S. 38, Abb. 2). Für alle Interessenten gibt es die Grafik noch einmal in groß und farbig.
Das heiß aber nicht, dass die anderen zwölf Beiträge zu vernachlässigen sind - im Gegenteil: Vor dem historischen Hintergrund fuktionieren sie umso besser. Sie zeigen auch die besondere Herausforderung, die bis heute die Game Studies umtreibt und sich vielleicht an Adventures am besten diskutieren lässt: Das Aufeinandertreffen von Spiellogik und Erzählung. Die Beiträge können hier in bester Weise nicht nur die nostalgischen Erinnerungen an eine alte Spielegattung bedienen, sondern auch Impulse liefern, die für die Auseinandersetzung mit Spielen weiterhin von Interesse sind.
Leider sind dem Band die Zugeständnisse an das akademische Publizieren deutlich anzumerken. So toll es ist, dass solche Projekte in Anbetracht kaum vorhandener Mittel zustande kommen, bleibt ein etwas fader Beigeschmack. Um den recht günstigen Preis von 25,- Euro halten zu können, ist die Gestaltung von Cover und Innenteil äußerst spartanisch ausgefallen. Das wird zwar durch die Qualität der Beiträge mehr als ausgeglichen, ihnen aber zugleich nicht gerecht. Insbesondere ein Band zu Adventures aus dem Hause LucasArts hätte das Potential gehabt, ein Publikum zu erreichen, dass solche Fachliteratur sonst nicht in die Hand nimmt. Die unattraktive Form wirkt dagegen erstmal abschreckend. Ich hoffe dennoch, dass das Buch viele Leser/innen findet. Allein der Inhalt verdient die größte Empfehlung.
Den Sammelband kann man versandkostenfrei beim Oldib Verlag bestellen.